Ein Vortrag von Dr. Reinhard Schiller

 

Fastfood ist zu einem festen Bestandteil unserer Ernährungskultur geworden. Die Nahrungsaufnahme soll immer schneller und müheloser vor sich gehen. Gleichzeitig wird der Ruf nach gesunder Ernährung in breiten Schichten der Bevölkerung lauter. Weniger bekannt ist, dass auch das Immunsystem auf die individuelle Ernährung reagiert. Dabei ist es weder schwierig sich gesund zu ernähren, noch muss gesundes Essen fad schmecken. Nur Zeit muss man sich etwas nehmen, zum Essen genauso wie auch zum Kochen.


Grundnahrungstoffe:

Kohlenhydrate sind für normalgewichtige unproblematisch. Das gilt für die sogenannten langkettigen Kohlenhydrate wie Reis, Kartoffeln, Teigwaren und Brot. Kohlenhydrate sollten überwiegend als Vollwertprodukte konsumiert werden aufgrund des höheren Vitamin- und Spurenelementgehalts; aber nicht aussschließlich Vollwertkost konsumieren, denn durch die vielen Körner könnte die Darmschleimhaut gereizt werden und am Ende weniger Vitamine und Spurenelemente aufnehmen als der Körper braucht. Also ruhig auch mal eine Semmel zwischendurch!

Achtung Übergewichtige! Speziell die besonders stärkehaltigen Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Weißbrot, Produkte mit industriell verarbeiten Mehlen verschlechtern die „Insulinresistenz“ (siehe Vortrag „Diabetes 2000“ in dieser Webside) und sind nicht unbegrenzt empfehlenswert. Besser Reis/evtl Nudeln.

Die kurzkettigen Kohlenhydratgruppen (Zucker) sind für die Zähne nicht günstig, können besonders stark eine Diabetesentwicklung beschleunigen und evtl. Allergien fördern.

Zweiter Nahrungsbestandteil sind die Eiweiße (tierisch, z.B. Fleisch, Eier, oder pflanzlich z.B. Soja). Der Körper benötigt nur ein Minimum Eiweiß, dies beträgt aber nur ca. 20 g täglich. Bei erhöhter Zufuhr können sich die Stoffwechselwege zwischen den kleinen Blutgefässen (Kapillaren) und den Körperzellen verlängern indem sich Eiweißmoleküle dazwischen ablagern; dies kann Mikrostoffwechselvorgänge verschlechtern. Auch Nierenkranke dürfen nicht zuviel Eiweiß bekommen.

3. Grundbestandteil der Ernährung stellen die Fette dar. Es gibt gesättigte und einfach- bzw. mehrfach ungesättigte Fette. Die gesättigten Fette (in der Wurst, im fetten Fleisch, als Butter und gehärtete Bratenfette) sind entbehrlich aber nicht gefährlich. Allerdings haben sie sehr viel Kalorien!

Ungesättigte Fettsäuren, die in pflanzlichen Ölen besonders vorkommen wie Oliven-,Distel- Raps- und Weizenkeimöl sind gesund, denn sie enthalten Omega 6 und zum Teil auch Omega 3 Fettsäuren. Diese senken nachweislich das Herzinfarktrisiko und sind im idealen Mischungsverhältnis von etwa zwei zu eins im Rapsöl enthalten. Omega 3 Fettsäuren fehlen im Olivenöl, sind aber in Fisch, Wild und auch im Leinsamen reichlich enthalten.

Immunsystem und Freie Radikale

Das Immunsystem besteht aus den Immunzellen, dem Komplementsystem mit den Zytokinen und den Antikörpern. Die Zytokine haben die Aufgabe, die Immunzellen (insbesondere Phagozyten oder Fresszellen genannt) zu den Eindringlingen und Schadstoffen zu locken um diese zu bekämpfen. Dazu müssen sie u.a. sog. Freie Radikale bilden. Das sind aggressive Sauerstoffverbindungen, die Eindringlinge wie Bakterien oder Viren unschädlich machen, und Schadstoffe wie Konservierungsmittel, Farbstoffe, Pestizide, Autoabgase u.a. belastende Umweltfaktoren neutralisieren.

Das Ganze hat aber einen Haken: wenn sehr viele Freie Radikale benötigt und produziert werden, leidet auch das gesunde Körpergewebe darunter. So können diese aggressiven Sauerstoffverbindungen Gelenke, Bindegewebe, Gefässe und Hirngewebe angreifen, mithin Arthrose, Arteriosklerose, Herzinfarkt, rheumatische Erkrankungen, Morbus Alzheimer und sogar Krebs mitverursachen!

Wenn nun zusätzlich oxidativ veränderte Nahrungsmittel konsumiert werden (insbesondere industriell verarbeitete Nahrungsmittel) so steigt die Menge der Freien Radikale weiter an. Auch z.B. mehrfach erhitzte Fette aus der Pommes-Frites-Bude sind stark oxidativ verändert, d.h. sie haben Sauerstoffpartikel, die bei der Verstoffwechselung zu Freien Radikalen werden.

Reduktion ist das Gegenteil von Oxidation. Der Körper kann nur in begrenztem Umfang reduzieren, d.h. freie Radikale und oxidierte Nahrungsmittel neutralisieren. Das sogenannte Redox-Gleichgewicht ist gestört. Der Körper wird krank. Es kommt zu oben genannten Erkrankungen – wobei auch die Allergien hier mit zu nennen sind. Zudem gibt es Hinweise dafür, dass das Cholesterin, insbesondere LDL-Cholesterin erst dann arteriosklerotisch wirken kann, wenn es durch Freie Radikale oxidativ verändert wurde.

Wie kann ich dem Immunsystem behilflich sein, den Radikalen-Überschuss abzubauen?

Hier helfen die Antioxidantien, und das sind hauptsächlich Vitamine, hier insbesondere Vitamin E (Tocopherol ) in Kombination mit Vitamin C (Ascorbinsäure). Auch Vitamin A unterstützt die anti-oxidativen Funktionen. Bekanntlich sind Vitamine hauptsächlich in Obst, Gemüse und Salat enthalten ! Auch sog. Flavonoide wirken als Antioxidantien und sind in pflanzlichen Nahrungsmitteln, aber auch z.B. in Rotwein enthalten!

Hinzu kommen Spurenelemente wie Selen, Mangan und Zink, die das körpereigene Reduktionssystem Gluthation wirksam unterstützen.

Übrigens kann vernünftig betriebener Sport das Redoxpotential ebenfalls ausgleichen. Übertriebener Leistungssport produziert hingegen viel schädliche Freie Radikale !

Zusammenfassung der wichtigsten Ernährungsregeln:

Ausgewogene Kost („von allem etwas“) ist in jedem Fall nicht verkehrt! Fleisch ist nicht ungesund!! (Allerdings auch nicht unverzichtbar, im Gegensatz zu Milchprodukten!)

  • Kohlenhydrate, überwiegend als Vollwertprodukte sind okay, aber Übergewichtige sollen nicht zuviel stärke-/weißmehlhaltige Kohlenhydrate verzehren. Zucker/Süßigkeiten in Maßen z.B. einmal täglich.
  • Das richtige Fett verwenden! Zum Kochen und Braten einfach ungesättigte Öle verwenden, besonders Raps-, auch Olivenöl.
    Dann aber auch öfter mal Fisch.
    Wurst/ Leberkäse/ fettes Fleisch nicht ungesund, aber kalorienreich.
  • Eier sind unproblematisch!
  • 3x am Tag entweder Salat, Obst oder Gemüse essen, daher am besten zum Frühstück u.a. mit Obst beginnen. Mittags viel Gemüse, überbacken oder zum Geschmacksverfeinern mit Sahnesoße anrichten (Das Gemüse nicht roh verzehren, da Pflanzenzellen erst durch leichtes Angaren aufgeschlossen werden und wertvolle Inhaltsstoffe freigeben / ideal z.B. Wok).
  • Fertignahrungsmittel so weit wie möglich meiden.
  • Zweimal Fisch pro Woche wäre gut.
  • Alkohol in Maßen (1-2 Glas Wein oder 1 Fl.Bier pro Tag scheint günstig zu sein. Besonders beim Bier aber Kalorienzufuhr berücksichtigen!

Wenn man über das Redoxgleichgewicht (siehe oben) des eigenen Körpers Bescheid wissen will, gibt es einen relativ einfachen Laborwert, den der Hausarzt bestimmen lassen kann, das sog. Malondialdehyd. Ist er in Ordnung, kann man davon ausgehen, dass der Körper mit den Freien Radikalen und der Umwelt zurechtkommt.