Die derzeitige diagnostische und therapeutische Situation bei Borreliose Erkrankungen

Ein Vortrag von Dr. Reinhard Schiller
Nov 2008

Dr. Schiller zeigte dabei die Unsicherheiten bei Patienten, aber auch bei Ärzten auf, da das Krankheitsbild, wenn auch kaum lebensgefährlich, so doch oft sehr heimtückisch und langwierig abläuft, gelegentlich auch nicht geheilt weden kann und Behinderungen zurücklässt. Seit klar ist, dass es wegen der Vielzahl von Erregern in Europa kaum eine Impfung geben wird, hat sich auch die Industrie und damit – leider – auch die medizinische Wissenschaft in letzter Zeit nicht mehr sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Grundsätzlich gilt, je früher nach Zeckenstich (etwa jeder 10. Stich überträgt eine Infektion) behandelt wird, desto besser. Ein Erythema migrans, also die Wanderröte, wird gleich nach deren Auftreten antibiotisch therapiert, meist mit Doxycylin, mindestens über 3 Wochen.
Dabei tritt stets Heilung ein. Leider tritt das Erythem aber nur in etwa der Hälfte der Fälle auf, so dass oft erst nach vielen Wochen behandelt wird, dann also wenn nach kurzen grippeähnlichen Erscheinungen eines oder mehrere einer Vielzahl möglicher Symptome auftritt. Fast jedes Organ des Körpers kann Symptome einer Borreliose zeigen.
Angefangen natürlich von der Neuroborreliose, d.h. Hirnhäute, Hirnnerven, Gesichtsnerv (Facialisparese) Ischiasnerv (Schmerzen ähnlich wie bei Bandscheibenleiden) u.a.
Es können aber auch Gelenkschmerzen (erst eines, später mehrere, mit Erguss, von einem zum anderen Gelenk „springend“), Herzrhythmusstörungen, Blasenkrämpfe, schwere Muskelschmerzen und vor allem Müdigkeit und erhebliche Leistungsschwäche auftreten.

Später, nach vielen Monaten, kann sich eine chronische Borreliose entwickeln, die dann oft auch noch massive psychische Veränderungen mit sich bringen kann und die Kranken leicht in die „Psycho-Ecke“ geschoben werden, insbesondere von Versicherungen, die sich gerne um die Dauerversorgung der nicht mehr heilbaren Erkrankten drücken möchten. Aber auch Ärzte haben Schwierigkeiten mit diesen Patienten, denn selbst wenn die Diagnose richtig gestellt wird, helfen in diesen Stadien meist keine Antibiotika mehr.

Schon die Diagnostik ist aber nicht unproblematisch, da wir zunächst mal nur den Antikörper-Test benutzen können. Dieser belegt nur einen Kontakt mit den durch Zecken übertragenen Borrelien, und erlaubt eine ungefähre zeitliche Zuordnung. Ob aber der Körper die Infektion erfolgreich abwehren konnte oder eben doch erkrankt ist, kann man nur an der Symptomatik als Verdacht ablesen. Ausserdem reagiert der Antikörpertest (ELISA bzw. Westernblot) oft erst nach vielen Wochen, so dass es nicht sinnvoll ist, ihn vor Ablauf von ca. 6 W zu bestimmen. Es gibt zwar auch noch den LTT (Lymphozyten-Transformationstest) der schon nach 10 T pos. wird, der ist aber nicht nachgewiesen zuverlässig. Deshalb wird er von den Kassen nicht bezahlt, kann aber wertvolle Hinweise liefern bei der akuteren Infektion.
Später ist dann der CD 57 Test sinnvoll (Kassenleistung) der bei normaler Zahl dieser Immunzellen vom NK Typ, eine chron. Borreliose sicher ausschließen kann.

Die Behandlung kann sich schwierig gestalten, da die Bakterien (Borrelien gehören zur bakteriologischen Gattung der Spirochäten) mit zunehmender Dauer der Erkrankung immer mehr in die Körperzellen hineingehen, wo sie nur noch von einigen Antibiotika nach langer Einnahme erreicht werden können.
Bei soviel Unsicherheit und therapeutischem Notstand ist der Referent der Meinung, dass auch die naturheilkundliche Ergänzungsmedizin mit Anwendung finden sollte, und zwar sowohl diagnostisch als auch therapeutisch. Es haben sich schon etliche chron. Fälle deutlich bessern oder heilen lassen. Schmerzfreiheit und Leistungsfähigkeit konnten wieder zurückerlangt werden.

Es werden einige Möglichkeiten aufgezeigt, diagnostisch z. B. der sogenannte Nosodentest, der gute Hinweise geben kann. Mit der Applied Kinesiology Methode kann die aktuelle Belastung mit Borrelien, aber auch mit Zusatzinfektionen etwa durch das Ebstein Barr Virus zumindest abgeschätzt werden. Mit speziell aufbereiteten Nosodenpräparaten kann auch behandelt werden, die Belastung verschwindet im Test, und den Patienten geht es in der Regel ganz erheblich besser. Auch  pflanzliche Präparate wie etwa Scrophuloderma nodosa oder die sog. Katzenkralle haben sich bewährt ebenso wie Ionenaustauscher (Cholestyramin). Natürlich können Endzustände wie die Acrodermatitis (pergamentartige Hautveränderungen) nicht mehr beeinflusst werden. Und natürlich gibt es keine wirksamkeitsbeweisenden Studien für diese Verfahren, schon deshalb, weil sie von der Industrie nicht finanziert werden.
Es lohnt sich aber auf jeden Fall nach Meinung des Referenten bei unklaren oder schwer zu beeinflussenden Borrelien-Krankheitsbildern die Naturheilkunde mit einzubeziehen.
Am Schluss wurde den interessierten Zuhörern vermittelt, wie sie sich nach einem Zeckenstich, bei Wanderröte, und bei borrelioseverdächtigen Symptomen verhalten sollten. Zum Beispiel die behandelnden Ärzte auch mal nach dem CD 57 Test fragen…

Es schloss sich eine äußerst lebhafte Diskussion – auch mit selbst Betroffenen – an, die zeigte, wie dringlich der Informationsbedarf zum Thema war.